MoneyKrankenkassenprämien
Werbung

Krankenkassenprämien

Staffel 2020 – Folge 17
Was tun, wenn die Krankenkasse zu teuer ist? Wo kann ich sparen und wie und wann kündige ich eine Kasse richtig? Die Sendung «Money» liefert Antworten.
Erstausstrahlung:

So stark belasten die Krankenkassenprämien für die Grundversicherung das Einkommen:

Belastung Krankenkassenprämien

Krankenkassen: Comparis fordert für 2021 Abbau der Reserven zur Dämpfung der Einkommensbelastung

Grundversicherungs-Prämienprognose 2021 von comparis.ch

Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly rechnet für 2021 mit einem effektiven Anstieg der Grundversicherungsprämien von rund 3 Prozent, wenn das Bundesamt für Gesundheit den Kassen nicht mehr Spielraum für den Abbau ihrer Reserven gibt. «Mit dem Abbau eines Teils der über 8 Milliarden Franken Reserven könnte aber die Prämienerhöhung bei der Grundversicherung auf 1 Prozent gedrückt werden» so Schneuwly. Eine solche Entlastung sei zentral, weil über zwei Millionen Personen in der Schweiz wegen der Corona-Krise unter Einkommensbussen litten und sich die Prämienbelastung deshalb massiv verschärfe.

Massive Einkommensbelastung trotz moderatem Prämienanstieg

Comparis fordert allerdings, dass die effektiven Prämien weniger stark steigen als die Gesundheitskosten: «Die Krankenkassenprämien werden bei einem gewichtigen Anteil der Schweizer Bevölkerung heuer und im nächsten Jahr viel stärker aufs Budget schlagen als bisher», warnt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Weit über 2 Millionen Erwerbstätigen fehlten derzeit aufgrund von Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit bis zu 30 Prozent des Einkommens.

Die Comparis-Berechnung zeigt denn auch: Beim aktuellen Medianlohn von 6’538 Franken belaufen sich die Krankenkassenprämien für Erwachsene mit dem verbreiteten Hausarztmodell und mit der 300 Franken Franchise in Zürich, Bern und Bellinzona auf rund 7 Prozent des Einkommens. In Genf wird das Budget mit 8 Prozent belastet. Eine dreiprozentige Prämienerhöhung bedeutet einen Anstieg der Einkommensbelastung (Basis Medianlohn) aufgrund des Verdienstwegfalls auf bis zu 10 Prozent.

Forderung nach 2 Prozent Ausgleich durch Reserveabbau

«Die Prämien sollten angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nur um 1 statt um 3 Prozent steigen», verlangt Schneuwly. Die Differenz von 2 Prozent solle mit einer Reduktion der über 8 Milliarden Franken Reserven bei den Krankenkassen finanziert werden.

«Die Kapitalerträge werden wohl heuer krisenbedingt geringer ausfallen als im letzten Jahr. Das Bundesamt für Gesundheit muss darum jetzt schon den Kassen mitteilen, wie gross der Spielraum für einen weiteren Abbau der Reserven im kommenden Jahr sein wird», fordert der Comparis-Experte. Aufgrund der unterschiedlichen finanziellen Lage brauchten die Krankenkassen Spielraum statt rigider Vorgaben für die Prämienkalkulation 2021.

Corona verursacht keine massive Kostenexplosion

Umgekehrt wiegelt Schneuwly ab, die Befürchtungen einer massiven Kostenexplosion aufgrund der Corona-Pandemie seien haltlos. «Die Corona-Pandemie wird aus verschiedenen Gründen nicht zu einer massiven Kostensteigerung führen». Das Verbot von nicht dringend notwendigen Operationen sowie die Angst der Patienten, sich in Arztpraxen und Spitälern mit dem Coronavirus anstecken zu können, habe in den Monaten März, April und Mai zu einem Einbruch der Nachfrage nach medizinischen Leistungen mit einem Nachholbedarf geführt.

Selbst bei einer zweiten Welle sei zudem keine Explosion bei den Behandlungskosten zu erwarten. Der Grund: Corona-Patienten werden in den Spitälern meistens stationär behandelt. Hier teilen sich die Kantone und Krankenkassen die Kosten. Die Kantone übernehmen jeweils 55 Prozent und die Krankenkassen 45 Prozent der Behandlungen. Die Rechtslage ist laut Schneuwly klar: Erbrachte medizinische Leistungen werden gemäss Krankenversicherungsgesetz finanziert. Für Corona-bedingte Ertragsausfälle und Vorhalteleistungen müssen Bund und Kantone aufkommen.

Die Corona-Patienten verursachen zwar sehr wohl Zusatzkosten. «Der grosse Anteil waren dabei allerdings Kosten für den Aufbau der zusätzlichen Kapazitäten für Corona-Patienten, die bisher zum Glück nur teilweise gebraucht worden sind», so Schneuwly. Diese Vorhalteleistungen würden weder in den ambulanten noch in den stationären Tarifen abgebildet, sondern müssten ebenfalls von Bund und Kantonen finanziert werden.

    #Beratung#Krankenkassen#Krankenkassenprämien